Rosemarie’s Nightmare Continues
Es ist kein Märchen! Es ist die finstere Geschichte einer einst hübschen Prinzessin. Dunkle Schatten zerfurchen ihr Gesicht. Jeder Lichtstrahl, der auf das Antlitz fällt, lässt tiefe abscheuliche Verletzungen erahnen. Das strohige und fettige Haar verdeckt Stirn und Wangen, doch die Narben sind nicht zu übersehen. Die Vergangenheit von Rosemarie ist grausam. Ihre Stiefmutter hat sie einst in einem dunklen Dachboden umgeben von staubigen Märchenbüchern und alten Karnevalskostümen eingesperrt, um zu verhindern, dass die bezaubernde Rosemarie als Prinzessin mehr Macht haben würde als sie selbst. Als kleines Mädchen träumte die Unglückliche immer davon, eines Tages als wunderschöne Prinzessin durch die Ballsäle zu tanzen.
Doch ihre Stiefmutter zerschnitt ihr das alabasterne Gesicht mit einem stumpfen Rasiermesser. Kurz darauf verstarb die böse Stiefmutter und niemand wusste, dass Rosemarie auf dem Dachboden eingeschlossen war. Völlig entstellt zog sich das Mädchen zurück – aus der Welt und aus der Realität. Sie begann, sich ihr Leben in Märchen auszumalen. Nur so gab es für sie die Chance auf ein Happy End. In Rosemaries Reich warten Szenen beliebter Kindererzählungen auf die Gäste. Doch hier ist der böse Wolf noch entsetzlicher als bei den Gebrüdern Grimm. Und das weiße Kaninchen aus Alice im Wunderland ist kein plüschiges Tierchen zum Liebhaben, sondern erschreckt bereits durch das diabolische Blitzen in seinen Augen. Gemälde an den Wänden zeigen Märchenprinzessinnen, deren Gesichter wütend zerkratzt wurden.
Als Rosemarie starb, schwor sie mit ihrem letzten Atemzug, dass sie dem Reich der Toten entfliehen werde, um dem schönsten Mädchen des Landes das Gesicht zu stehlen. Sie wollte endlich die Prinzessin sein, die sie nie sein durfte.
Wenn die Besucher Rosemaries Verließ betreten, ist es dunkel. Stockdunkel! Kein Unterschied, ob man sich mit offenen oder geschlossenen Augen vorwärtsbewegt. Selbst das beklemmende Gefühl, das Alpträume im Schlaf vermitteln, wird zur greifbaren Realität. Ein düsterer Musikteppich kriecht in die Gehörgänge. Der Boden wird uneben. Waghalsig begeben sich die Besucher durch ein Labyrinth der Finsternis. Die Pupillen vergrößern sich, doch Scharfsicht und Spürsinn verlassen die Verängstigten. Wahnsinn und Schauder gehen hier Hand in Hand.